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Die ambulanten Krankenfürsorgerinnen

Auszug aus dem Dokument: 1908-1933, 25 Jahre Tuberkulosebekämpfung im Großherzogtum Luxemburg. 



Die Ligue luxembourgeoise contre la Tuberculose war die erste Organisation in Luxemburg, die feststellte, dass eine moderne medizinisch-soziale Einrichtung nicht möglich ist ohne die Beteiligung von ambulanten Krankenfürsorgerinnen. Die Luxemburgerin Elise Kauffeld, eine der ersten diplomierten laizistischen Krankenfürsorgerinen Frankreichs willigte 1921 nach einer langen Berufslaufbahn in Frankreich ein, in den Dienst der Ligue zu treten. Dank ihres aktiven Beitrags konnte die Ligue das Tätigkeitsfeld ihrer Fürsorgestellen beträchtlich erweitern und nach und nach weitere Fürsorgestellen eröffnen. Da der Ligue schnell klar wurde, wie unerlässlich diese Institution war, engagierte sie kurze Zeit später für den Norden des Landes eine zweite Krankenfürsorgerin: die auf Tuberkulose spezialisierte Anna Stirn. Nachdem diese die Arbeit in der Fürsorgestelle von Ettelbrück aufgenommen hatte, zeigte auch die Tuberkulosebekämpfungskampagne in den Ardennen eine viel größere Wirkung als zuvor. Neun Jahre lang verausgabte sich Anna Stirn in diesem Distrikt, in dem die Arbeit aufgrund der Entfernungen zwischen den Dörfern sehr mühsam ist. Ihr Gewissen und ihre Arbeitswut ließen sie manchmal die Grenzen ihrer Kräfte vergessen. Das Komitee der Ligue, dem bewusst war, dass man nur Schritt für Schritt Fortschritte erzielen kann, versuchte vergebens, die übereifrige Mitarbeiterin zur Raison zu bringen. Sie arbeitete sich zu Tode, hingerafft von einer Embolie. Betrauert von allen, die sie kannten, ist sie nach wie vor ein gutes Beispiel für beruflichen Einsatz bei all ihren Kampagnen.

1923 übernahm Barbe Molitor in der Fürsorgestelle von Grevenmacher den Posten als ambulante Krankenfürsorgerin. Dank ihrer beruflichen Qualitäten und ihrer hervorragenden Kenntnisse der Menschen und der Besonderheiten dieser Region, der sie entstammte, gelang es ihr, das Einzugsgebiet der Fürsorgestelle beträchtlich auszuweiten. Aber ihre aufgrund ihrer langjährigen Arbeit im Rote-Kreuz-Hospital von Gelsenkirchen angeschlagene Gesundheit zwang sie zu ihrem größten Bedauern, ihre Arbeit als ambulante Krankenfürsorgerin nach einem Jahr aufzugeben. Sie starb am 7. September 1929 in Gelsenkirchen.

Juliette Servais, ihre Nachfolgerin, wiederum verließ uns 1925, um die Leitung des Maison des Enfants in Dudelange zu übernehmen. Anschließend übernahm Frau Wegener den Dienst für die beiden Moselkantone, in denen sie bis zum heutigen Tage ohne Unterbrechung die Aufgaben als vielseitig einsetzbare Krankenfürsorgerin und Gesundheitsbetreuerin erfüllt.

Zu diesem Zeitpunkt, als die Zahl der Fürsorgestellen immer größer wurde, betraute die Ligue luxembourgeoise contre la Tuberculose Frau Kauffeld mit den Aufgaben und dem Titel als Oberkrankenfürsorgerin (Infirmière-inspectrice). Zu den Aufgaben dieser Funktion zählte die Inspektion der Krankenfürsorgedienste in den Fürsorgestellen. Die Oberkrankenfürsorgerin hat unter anderem die Aufgabe, die Verbindung zu den Sanatorien, Kliniken und Fürsorgestellen sowie dem Verwaltungsrat zu pflegen. Darüber hinaus hat die derzeitige Inhaberin des Postens sämtliche Aufgaben der Fürsorgestelle der Stadt Luxemburg übernommen. Die Luxemburger Fürsorgestelle ist neben der von Esch-s.-Alzette die einzige Stelle, die alle Dienste einer ambulanten Krankenfürsorgerin beansprucht, die sechs anderen Fürsorgestellen, also in Differdange, Dudelange, Ettelbrück, Grevenmacher, Wiltz, Rédange-s.-Attert, greifen auf vielseitig einsetzbare Krankenfürsorgerinnen des Roten Kreuz zurück, die Kosten werden zwischen dem Rotem Kreuz und der Ligue geteilt. ¹)

Die Institution der ambulanten Krankenfürsorgerin stieß in der Bevölkerung zunächst auf Verwunderung und Unverständnis, gehört aber heute zum Alltag. Die ambulante Krankenfürsorgerin ist mittlerweile nicht nur eine unverzichtbare Assistentin des Arztes, sondern auch eine Vertrauensperson der Menschen und Freundin der Kranken.

Die Tuberkulose ist eine der häufig (und ziemlich unzutreffend) als „soziale Krankheit“ bezeichneten Krankheiten, da sie sowohl aufgrund ihrer Dauer und der hohen Behandlungskosten als auch aufgrund der aus der Ansteckungsgefahr resultierenden Komplikationen sehr häufig die soziale und wirtschaftliche Existenz von Familien bedroht. Es ist Aufgabe der Krankenfürsorgerinnen, sobald ein Tuberkulosefall gemeldet wird, nicht nur den Erkrankten, sondern auch seine Mitmenschen in die Fürsorgestelle zu bringen und die Familie bei der Organisation der Pflege und der eventuellen Verlegung in ein Sanatorium und der Unterbringung von ansteckungsbedrohten Kindern zu unterstützen. Ihre Aufgabe ist es auch, die Erkrankten und ihre Familie moralisch zu unterstützen. Sie muss gleichzeitig organisieren, informieren, aufklären und trösten und sich voll und ganz dem Kranken widmen, wobei ihre Person, ihre eigenen Interessen für sie nur noch zweitrangig sein dürfen.

Der Beruf der Krankenfürsorgerin erfordert ein hartes Studium und bedarf einer sorgfältigen Auswahl bei der Einstellung. Aus diesem Grund legt die Ligue, in enger Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz, besonders viel Wert auf diesen Aspekt. Dank des gemeinsamen Einsatzes der beiden Einrichtungen, die die gleichen Ziele und Vorstellungen haben, wird den Luxemburger Krankenfürsorgerinnen, für die dies bislang nicht der Fall war, aller Wahrscheinlichkeit nach bald ein rechtlicher Status verliehen.

Mit dem kürzlich verabschiedeten Gesetz vom 8. Juli 1933 hat der Gesetzgeber Regelungen für ihre Pensionsbedingungen geschaffen und verordnet, dass das Gesetz vom 7. August 1912 über die Gründung einer Fürsorgekasse für die Gemeindeangestellten, abgeändert durch das Gesetz vom 28. Oktober 1920, ebenfalls auf die Fürsorgerinnen luxemburgischer Nationalität an allen nationalen Gesundheitsfürsorgewerken, die als Einrichtung öffentlichen Nutzens anerkannt sind, und deren Ernennung durch den Generaldirektor des Sanitätswesens genehmigt ist, Anwendung findet.

Seit einigen Jahren werden ambulante Krankenfürsorgerin immer mehr wie Grundschullehrerinnen behandelt.

Die Ligue luxembourgeoise contre la Tuberculose ist der Meinung, dass sie zwar gewisse Meriten bei der Einführung des ambulanten Krankenfürsorgerdienstes in Luxemburg erworben hat, ihre Pflicht jedoch erst an dem Tag erfüllt ist, an dem die rechtliche und soziale Situation der ambulanten Krankenfürsorgerinnen ebenso abgesichert ist wie ihre finanzielle Lage.

Denn die Bekämpfung der Tuberkulose steht und fällt mit den ambulanten Krankenfürsorgerinnen und den medizinischen Leitern der Fürsorgestellen, und der Verwaltungsrat freut sich, bei dieser Gelegenheit diesen wertvollen Mitarbeitern seine Anerkennung auszusprechen.

Wir können dieses Kapitel jedoch nicht schließen, ohne auch eine großherzige und sehr intelligente Frau zu würdigen, die ihre schützende Hand über alle Krankenfürsorgerinnen hält, diese inspiriert, sie leitet und sie schult, eine Frau, deren Leben sich in den bewundernswerten Worten zusammenfassen lässt: „Diene Deinem Nächsten“. Bei dieser Frau handelt es sich um unsere tapfere Vize-Präsidentin Emile Mayrisch de Saint-Hubert.

 

1) In allen anderen Gegenden werden die Krankenfürsorgerinnen vielseitig eingesetzt und jede übt in ihrem Distrikt die ihr vom Roten Kreuz übertragene Funktion als Kinderkrankenschwester und als ambulante Tuberkulosekrankenfürsorgerin aus. Generell ist eine Zusammenarbeit der verschiedenen Sozialhygieneorganisationen sehr wünschenswert. Am besten wäre es, wenn städtische und ländliche Gebiete in Regionen bzw. Viertel unterteilt würden, für die jeweils eine Fürsorgerin zuständig wäre, und die auf Kleinkinderpflege, Tuberkulose, Krebs, Mentalhygiene etc. spezialisierten Oberkrankenfürsorgerin als Verbindungsglied zu den zentralen Behörden fungierten.